Ist PSSM auch ein Gewährsmangel?

Genetik, Vererbung

Moderatoren: v.BW, Moderatoren

Leola
Moderator
Moderator
Beiträge: 17931
Registriert: 01.05.2003 00:03:03
Wohnort: Celle (Niedersachsen)
Kontaktdaten:

Beitrag von Leola » 28.12.2010 17:53:06

@Anja:
Kein Problem ;-)
Und du siehst ja, "ich tu es auch immer wieder" ;-)

Es soll sogar auch HYPP-Einzelgenträger geben, die keine auffälligen Anzeichen zeigen. Genauso wie bei PSSM. Vermutlich einfach nuzr Glück: richtige Haltungsform, richtige Fütterung, richtige Nutzung, etc.
Wenn man bei einem PSSM-Pferd durch diese Faktoren den erneuten Ausbruch verhindern kann, dann kann es ja auch sein, dass es welche gibt, bei denen einfach eben zufällig alles stimmt und deswegen keine Anzeichen auftreten (oder sie so gering sind, dass sie keiner bemerkt??...????).
Sehr schicker 4jähriger Painthengst von Arc Playsophie aus einer mult. Futurity Champion Stute & NRHA Fut. Finalistin for sale! More Infos: http://www.ranchhorsepanzer.de" onclick="window.open(this.href);return false;

v.BW
Beiträge: 652
Registriert: 08.06.2007 20:02:19

Beitrag von v.BW » 28.12.2010 18:33:26

Stimmt,

die Genwirkung von PSSM Typ1 ist zwar dominant,

zur Erkrankung reicht also ein Allel aus

aber in bestimmten Genkombinationen (= andere Erblagen eines Trägers) und/ oder unter bestimmten Umwelteinwirkungen bricht die Erkrankung weniger aus oder zeigt sich sogar verstärkt.

So zeigen die US Untersuchungen bei konventioneller "normaler" Haltung und Reiteinsatz einen Ausbruch der Krankheit bei ca. 80% der Einzelgenträger für PSSM Typ 1; bei ausschließlichem Weidegang ohne jede Zufütterung und Reiteinsatz (auch Zuchteinsatz) erkranken dagegen deutlich weniger PSSM Typ1 Genträger.

Liegt zugleich die Erbanlage MH vor, erkranken PSSM Typ1 Träger regelmäßig sehr schwer.

Insgesamt zeigen die Untersuchungen wie wichtig der Gentest ist, denn auch ein scheinbar gesundes Pferd kann PSSM Typ1 vererben, ohne selbst krank zu sein.

Benutzeravatar
paintfan
World Champion
Beiträge: 3238
Registriert: 06.11.2002 00:25:18
Wohnort: Bayern
Kontaktdaten:

Beitrag von paintfan » 28.12.2010 19:12:31

sehr interessant - wollt ich grad fragen , bei wieviel Prozent es so ausbricht - da waren sie schon schneller .
Bild

LittleBit
World Champion
Beiträge: 4023
Registriert: 19.01.2003 12:08:31

Beitrag von LittleBit » 16.01.2011 10:48:36

Was meint eigentlich Erbanlage MH?
Ich hab mich bisher noch nicht so mit den Krankheiten beschäftigt. Ne Bekannte hat mich aber grade wegen dem Kauf einer Paintstute um Rat gefragt - und ich komm mir vor, die Checkliste, die man sich machen muß, nimmt kein Ende.
Zum Reiten braucht man bloß ein Pferd...

v.BW
Beiträge: 652
Registriert: 08.06.2007 20:02:19

Beitrag von v.BW » 18.01.2011 14:07:32

MH (Malignant Hyperthermie) ist eine bei den Westenpferden sehr selten (unter 0,01% der Pferde sind vermutlich Genträger) vorkommende Erbanlage. Einige Quarter Horse Familien sollen in den USA stärker betroffen sein. Der Erbgang ist dominant. Von anderen Tierarten ist bekannt, dass MH Träger ein erhöhtes Muskelwachstum haben können.

Nur durch äußere Einwirkung bestimmter chemischer Stoffe (Narkosegase wie Halothan) kommt es bei MH Trägern zu schweren Störungen der Skelettmuskulatur.

Bei PSSM Typ1 Genträgern, die zugleich MH tragen, ist das PSSM Krankheitsbild allerdings regelmäßig sehr schwer. Bei Untersuchung von Pferden mit sehr schweren PSSM Typ1 Erkrankungen (auch bei Einzelgenträgern) wurde im US Quarter Horse vor einigen Jahren zugleich auch MH aufgedeckt.

Bei schweren PSSM Erkrankungen sollte daher auch das gleichzeitige Vorhandesein von MH überprüft werden. Insgesamt ist aber davon auszugehen, dass MH Genträger in unseren Westernpferden sehr selten
vorkommen.

Benutzeravatar
needachex
Beiträge: 13
Registriert: 02.08.2010 07:21:50
Wohnort: Hessen

PSSM

Beitrag von needachex » 28.01.2011 21:59:00

Hallo,
habe eben von einer Bekannten erfahren, dass ihre Stute N/PSSM getestet wurde. Heisst, sie ist Träger. Wird diese Stute das immer vererben? Oder nur wenn der Hengst auch Träger ist?
Danke für die Antwort!
Annette

Leola
Moderator
Moderator
Beiträge: 17931
Registriert: 01.05.2003 00:03:03
Wohnort: Celle (Niedersachsen)
Kontaktdaten:

Re: PSSM

Beitrag von Leola » 29.01.2011 11:39:25

[quote5b="needachex"]Hallo,
habe eben von einer Bekannten erfahren, dass ihre Stute N/PSSM getestet wurde. Heisst, sie ist Träger. Wird diese Stute das immer vererben? Oder nur wenn der Hengst auch Träger ist?
Danke für die Antwort!
Annette[/quote5b]

Die Stute hat das Gen und [u5b]kann[/u5b] es immer vererben!
Sprich: mit einer 50%igen Wahrscheinlickeit gibt sie das Gen an ein Fohlen weiter.

Da ist es ganz egal, ob der Hengst selbst auch Träger ist oder nicht. Einzig darin, dass mit einem PSSM-Trägerhengst eben auch ein Doppelgenträger-Fohlen geboren werden kann (wo die Krankheit ja wohl noch schwieriger unter Kontrolle zu halten sein soll...).
Sehr schicker 4jähriger Painthengst von Arc Playsophie aus einer mult. Futurity Champion Stute & NRHA Fut. Finalistin for sale! More Infos: http://www.ranchhorsepanzer.de" onclick="window.open(this.href);return false;

v.BW
Beiträge: 652
Registriert: 08.06.2007 20:02:19

Beitrag von v.BW » 29.01.2011 12:04:04

Hallo,

Die Stute ist ein Einzelgenträger für PSSM Typ1. Die Hälfte ihrer Nachkommen erhalten die Erbanlage. (Vater der Fohlen zugleich Nichtträger.)

Der Erbgang ist dominant, Einzelgenträger können also auch erkranken.

Ist der Vater auch PSSM Typ1 Einzelgenträger, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit für ein Fohlen aus der Stute :eine PSSM Erbanlage zu erhalten 50 Prozent, zwei PSSM Erbanlagen zu erhalten 25 Prozent und Nichtträger zu sein 25 Prozent.

Ist der Vater Doppelgenträger, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit für die Fohlen Doppelgenträger zu sein 50 Prozent und Einzelgenträger zu sein ebenfalls 50 Prozent.

Benutzeravatar
needachex
Beiträge: 13
Registriert: 02.08.2010 07:21:50
Wohnort: Hessen

Beitrag von needachex » 29.01.2011 12:16:56

Danke für die schnelle Antwort!

Sollte man als verantwortungsbewusster Züchter dann auf jeden Fall so eine Stute nicht einsetzen?

Persönlich tendiere ich dazu, sie von der Zucht auszuschließen. Ich hätte sie kaufen können, aber sie ist frisch getestet und das schreckt mich ganz einfach ab. Denke das ist die richtige Entscheidung.

Gruß Annette

Benutzeravatar
Jacs Return
Beiträge: 358
Registriert: 26.12.2010 21:47:40
Wohnort: Österreich

Beitrag von Jacs Return » 02.03.2011 19:20:07

Ich fände es auf jedenfall Verantwortungslos mit einem PSSM Träger zu züchten. vielen ist das leider egal....haben wohl noch nie ein Pferd erlebt das erkrankt ist

Ich würd Sie an deiner Stelle nicht kaufen.... gibt genug gesunde Stuten.

Benutzeravatar
Joan_Wilder
Beiträge: 226
Registriert: 12.05.2005 14:04:48
Kontaktdaten:

Beitrag von Joan_Wilder » 13.04.2011 16:59:20

Hallo, ich habe hier einen interessanten Link gefunden der zum Thema passt.
Zusammengefasst steht da drin dass der Hengsthalter bei Samenversand immer für Gendefekte haftet.
Bei Live-Bedeckung nur wenn ihm der Gendefekt bekannt war und er verschwiegen wurde.

http://www.oexmann.de/content/pferderec ... 0Ge....pdf

Die Frage ist dann ob das gleiche auch für die Mutterstute des Züchters gilt...

Ich finde diesen Artikel auch sehr interessant für Leute die mit Samen von USA-Hengsten ihre Stuten belegen lassen....

Benutzeravatar
Jacs Return
Beiträge: 358
Registriert: 26.12.2010 21:47:40
Wohnort: Österreich

Beitrag von Jacs Return » 13.04.2011 22:07:40

Danke für den Link!!! Sehr interessant!!!

Leola
Moderator
Moderator
Beiträge: 17931
Registriert: 01.05.2003 00:03:03
Wohnort: Celle (Niedersachsen)
Kontaktdaten:

Beitrag von Leola » 13.04.2011 23:45:50

[quotead="Joan_Wilder"]Hallo, ich habe hier einen interessanten Link gefunden der zum Thema passt.
Zusammengefasst steht da drin dass der Hengsthalter bei Samenversand immer für Gendefekte haftet.
Bei Live-Bedeckung nur wenn ihm der Gendefekt bekannt war und er verschwiegen wurde.

http://www.oexmann.de/content/pferderec ... 0Ge....pdf

Die Frage ist dann ob das gleiche auch für die Mutterstute des Züchters gilt...

Ich finde diesen Artikel auch sehr interessant für Leute die mit Samen von USA-Hengsten ihre Stuten belegen lassen....[/quotead]

Man muss hier zwei Punkte bedenken:

1.
Es handelt sich nur um einen Artikel eines Anwalts! Sprich: das gibt seine Ansicht wieder! Da wird man genauso andere Meinungen zu finden!
Es handelt sich nicht um höchstrichterliche Rechtsprechung oder ähnliches. es wurden noch nicht mal eventuelle Urteile als Quellen genannt/verwertet.

Es ist nur die Meinung des Erstellers!

2.
Es ist fraglich, ob diese Rechtsauffassung gegenüber ausländischen Hengsthaltern auch gilt. Denn dabei muss nicht zwingend deutsches Recht gelten!
(das also zu der Frage, was ist mit Hengsten - also GS - aus USA)

Zu dem Punkt "Gilt dasselbe für die Mutterstute?":
Naja, von der Mutterstute werden ja keine Eizellen verschickt... Wenn man das machen würde (Embryotransfer?), müßte man es natürlich genauso so bewerten!
Sehr schicker 4jähriger Painthengst von Arc Playsophie aus einer mult. Futurity Champion Stute & NRHA Fut. Finalistin for sale! More Infos: http://www.ranchhorsepanzer.de" onclick="window.open(this.href);return false;

schnuckicora
Beiträge: 48
Registriert: 06.08.2008 11:18:16

Beitrag von schnuckicora » 13.05.2011 13:03:45

ich möchte keinem was unterstellen,aber ich pers.bin der meinung das es mit sichrerheit züchter gibt die trotz positivem gentests immer noch weiterzüchen.so nach dem motto viel.fällt es ja keinem auf! und das finde ich das hinterhältige,so lange es keine einheitliche verplichtung gibt alle pferd direkt nach der geburt testen zu lassen und diese ergebisse im papier festzuhalten werden die gendefekte nie aussterben!
was ich mich immer frage warum ist es nicht längst gesetzlich pflicht das jeder der züchten möchte die gentests bei zuchtstute und hengst durchführen lassen muß?! wenn ich das geld nicht dafür ausgeben möchte/kann dann darf ich nicht züchten!

Benutzeravatar
Jessy128
World Champion
Beiträge: 4049
Registriert: 08.11.2002 10:20:50

Beitrag von Jessy128 » 13.05.2011 15:11:45

Da geht es doch ganz allgemein um Verantwortung! Ich kenne auch Einhoder, mit denen wird noch fleißig gezüchtet. Es gibt Hodenimplantate, nur um den "Fehler" zu kaschieren. Wenn es nicht mal im kleinen funktioniert, dann sicher nicht über Zwangstests. Als Verbraucher und Käufer würde ich mir in Zukunft nur noch Nachzucht von getesteten Eltern nehmen, wobei die Frage der Stute mal wieder nicht laut genug gestellt wird!
Nachricht nicht von meinem i-phone gesendet

Bild

Antworten

Zurück zu „Dr. Ines von Butler-Wemken “